Der Chef Trick: neue Masche des Internetbetrugs auf dem Vormarsch

Es liest sich wie ein Wirtschaftskrimi: Eine E-Mail, ein Anruf, eine Überweisung – und fast wäre ein Unternehmen aus unserem Mandantenkreis Opfer eines großen Betrugs geworden. In letzter Sekunde konnte der Verlust von mehr als 900.000 Euro verhindert werden.

Internetbetrüger haben es längst nicht mehr nur auf Privatpersonen abgesehen. Auch bei Unternehmen richten sie inzwischen erhebliche Schäden an. Am Donnerstag, dem 6. Oktober, erhielt die Buchhalterin eines Mandanten eine Mail, angeblich von ihrem Hauptgeschäftsführer. Ihr wurde mitgeteilt, dass er sich in Verhandlungen um eine Firmenübernahme befinde und sie absolute Verschwiegenheit zu bewahren habe. Ihr wurde angekündigt, dass eine Dame einer ausländischen Anwaltskanzlei sie zwecks näherer Instruktionen anrufen werde. Dieser Anruf erfolgte nur wenig später. Dabei wurde die Mitarbeiterin offenbar so sehr eingeschüchtert, dass sie alle Bedenken beiseiteließ und die gewünschte Überweisung veranlasste: mehr als 900.000 Euro.

Erst am Freitagabend bemerkte die Hauptbuchhalterin diese Überweisung und kontaktierte sofort beide Geschäftsführer. Nachdem die erste Kontaktaufnahme bei der Kripo erfolglos verlaufen war, informierte das Unternehmen seinen Steuerberater von EEP, Hartmut Grund aus unserer Kanzlei in Neumünster. Dieser nahm sofort Kontakt zur EEP-Anwaltsabteilung auf und schaltete als Spezialisten Dr. Jan F. Reese ein. Der Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht kontaktierte umgehend das BKA. Gleichzeitig war es am Freitagabend gelungen, den zuständigen Bankdirektor noch am Schreibtisch zu erreichen. Das sofort aktivierte Team begann, den Weg des Geldes zu verfolgen, Zielbank war eine Bank in Bratislava, bei welcher das Geld nach nur 24 Stunden bereits gutgeschrieben war. Nachdem EEP durch den Partnerverbund Advoselect sofort eine deutschsprachige Partnerkanzlei in Bratislava einschalten konnte, wurde das Geld noch Freitagnacht zunächst gesichert und nach erfolgreichen Überprüfungen durch den dortigen Compliance-Officer nur wenige Tage später an das Unternehmen zurücküberwiesen.

Die Freude bei unseren Mandanten ist noch immer groß. Doch nur selten gelingt es, das überwiesene Geld wieder einzufangen. Und die Maschen werden immer dreister:

Das LKA Baden-Württemberg warnt zum Beispiel auch vor E-Mails, in denen vorgegaukelt wird, die Bankverbindung eines Geschäftspartners hätte sich geändert. Um Schäden zu verhindern, ist dringend zu raten, entsprechende Vorkehrungen in den Betrieben zu treffen. Neben anderen technischen Sicherungen raten wir insbesondere zu prüfen, bis zu welcher Betragsgröße im jeweiligen Unternehmen die „Ein-Personen-Überweisung“ noch durchgeführt werden darf. Auch regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter über die Gefahren des Mailverkehrs sind unumgänglich.

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